Musterung

 

Ein Obrist bekam von einem Fürsten, Adligen oder einer Stadt bei Bedarf ein Patent zur Aufstellung eines Landsknechtsregiments, was ihn berechtigte auf dem Marktplatz potentielle Söldner zu werben. Mit Hilfe von Trommlern wurde hierauf aufmerksam gemacht.

Die Interessierten, welche aus allen Schichten der Gesellschaft stammten, konnten sich nun per Unterschrift beim Schreiber eintragen und stellten sich danach in zwei Gruppen dem Tisch gegenüber auf.

Am Ende dieser Reihen wurde ein Tor aus Hellebarden gebildet, durch welches jeder Bwerber schreiten musste, um sich von allen Seiten mustern zu lassen. Dabei wurde verstärkt darauf geachtet, dass niemand das Rüstzeug eines Mitbewerbers trug, da die Güte der Ausrüstung auch die Besoldung beeinflusste. Wer eine gute und umfangreiche Ausrüstung besass, konnte den Rang eines Doppelsöldners erlangen, was den doppelten Sold einbrachte, aber auch den Einsatz in der ersten Reihe der Schlachtformation bedeuten konnte.


Wer für kriegstauglich befunden wurde, musste sich nun in das Register eintragen und bekam sofort den ersten Sold ausgezahlt. Im Normalfall verpflichtete man sich für einen Dienst von drei bis sechs Monaten.

Nun wurden die Krieger, je nach benötigter Größe der Einheit und Anzahl der Bewerber, in zirka 500 Mann starke Fähnlein eingeteilt. Daraufhin bildtete man einen Kreis, in den der Obrist trat, um den Artikelbrief zu verlesen, womit er die Knechte über ihre Rechte und Pflichten aufklärte. Beendet wurde das Prozedere durch den, vom Schultheiß abgenommenen Eid auf Kaiser und Fahnenerhalt, denn die Fahne war das Wahrzeichen des Fähnleins - ihr Verlust war eine Schande und bedeutete das Ende der Kampfformation.